Das Finanzierungssystem des europäischen Fußballs und der internationalen Filmbranche steht vor einer Zäsur. Die EU-Kommission lehnt den bisher praktizierten Verkauf von Fernsehrechten nach Ländern ab, wie EU-Medienkommissarin Viviane Reding dem "Handelsblatt" sagte.
Den Anstoß für die EU-Medienkommissarin liefert ein derzeit anhängiges Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Dort wird geklärt, ob sich TV-Zuschauer bislang urheberrechtlich geschützte Sendungen ausländischer Fernsehanbieter im eigenen Land ansehen dürfen. Indirekt geht es in Luxemburg um das sogenannte Coditel-Urteil aus dem Jahr 1980, in dem Film und TV vom Recht auf Freizügigkeit ausgenommen wurden, um das Copyright der Kreativen zu schützen.
Reding will das Urteil zwar abwarten, plädiert aber schon jetzt eindeutig für einen einheitlichen Markt - mit erheblichen Folgen vor allem für die großen Fußball-Ligen und Filmproduzenten. Bisher ist es Filmemachern und Sportverbandsmanagern möglich, ihre Produkte für jedes EU-Land einzeln zu vermarkten. Geht es nach dem Willen Redings, können die Anbieter von Filmen und Sport ihre Ware künftig EU-weit nur noch einmal verkaufen. Der Erwerber erhielte dann das Recht, die Bilder in allen 27 EU-Ländern zu senden.